Woher nehmt Ihr die Inspiration?

von Julia am 29. Januar 2011

Heute widme ich mich mal wieder einem fotografie-spezifischen Thema, angeregt durch einen Artikel bei BlogTimes. Es geht um die wichtige Frage: woher mit der Inspiration? Was inspiriert euch? Was kann man tun, wenn einen die Muse verlässt?

Ich finde das ist eine wirkliche schwierige Frage, die man nicht so ad hoc beantworten kann. Jeder Mensch ist einzigartig und so auch seine Art und Weise sich inspirieren zu lassen. Bei dem einen spukt vielleicht immer eine Idee in seinem Kopf bis er sie schließlich fotografisch adäquat umsetzen kann. Ein andere sucht sich berühmte Vorbilder und versucht diesen nachzueifern. Andere lassen sich von dem Moment treiben. Es gibt keinen goldenen Weg.

Was mich betrifft, so würde ich sagen ist es auch ein Mix aus vielem. Zum einen liebe ich es in Fotoausstellungen zu gehen, vor allem von amerikanischen Fotografen, und lasse mich dort von der Aura, welche die Bilder ausstrahlen, einfangen. Die Fotos wirken auf mich und bleiben in meinem Gedächtnis verankert. Wenn ich dann fotografieren gehe, erinnert mich vielleicht eine Kleinigkeit an ein zuvor gesehenes Bild und ich nehme diesen Gegenstand in meinem Foto auf. Extrahiere sozusagen ein Teilaspekt und setze ihn in einen neuen Kontext. So war ich beispielsweise in Canberra, Australien auf einem typischen Trödelmarkt und sah dort bunte Dreiräder. Es erinnerte mich an eine Aufnahme von William Eggleston auf der ein verlassenes Dreirad in einem amerikanischen Vorort zu sehen ist. Hätte ich Egglestons Foto nie gesehen, wäre ich vermutlich an den Dreirädern vorbei gegangen. Doch so fotografierte ich sie.

Bunte Dreiräder auf Trödelmarkt in Canberra, Australien

Bunte Dreiräder, gefunden auf einem Trödelmarkt in Canberra, Australien (2009)

Damit will ich sagen, dass Inspiration manchmal sehr intuitiv und sublim sein kann.

Andere Arten der Inspiration können viel banaler sein. Wir lesen Bücher über Fotografie oder Blogs und lassen uns von diesen leiten. Das muss nicht unbedingt ein schlechter Weg sein, denn schließlich kann man als Fotograf nicht ständig von der Muse geküsst werden. Es gibt auch Flauten und da können andere Fotografen einem auf die Sprünge helfen. Einen Fotografen möchte ich euch dabei ans Herz legen: David DuChemin mit seinem Buch “Auf der Suche nach dem Motiv”. Er zeigt Wege auf, wie man Fotos durchkomponieren kann, den richtigen Augenblick einfängt und wie man eine Fotovision entwickelt. Ich fand dieses Buch sehr  inspirierend und habe einige wertvolle Tipps mitnehmen können, an die man in der Praxis nicht immer unbedingt denkt. Ich habe diese Tipps verinnerlicht und direkt auf meiner Fotoreise in die Bretagne umgesetzt. Zunächst habe ich eine Vision entwickelt von dem, was ich fotografieren will. Anschließend überlegte ich, welche Motive diese Vision am Besten transportieren können. Dabei habe ich auch ganz einfache Tipps bei der Bildgestaltung umgesetzt, wie mit Gegensätzen zu spielen und auf klare Linien zu achten. Kurzum ich habe mich “fremd inspirieren” lassen und anschließend meine persönliche Vision entwickelt. Diese Vorgehensweise finde ich gerade für größere Fotoprojekte und Bildbände sehr gewinnbringend.

Doch da gibt es noch eine andere Art der Inspiration, die fern ist von allen fremden Einflüssen: Sie kommt aus einem selbst heraus. Man sieht etwas und weiß, das ist das Foto, auf das ich gewartet habe. Natürlich überlege ich mir noch genau, wie ich das Objekt, die Person, oder was auch immer am besten in Szene setzen kann. Doch es scheint, als sei das Bild schon “vorgegeben”. Dies sind tiefe und inspirierende Momente in der Fotografie, die sich schwer durch Worte wiedergeben lassen. Hier sagt das Foto mehr als tausend Worte.

Eine andere Möglichkeit der Inspiration bietet die Momentaufnahme, oder der Schnappschuss. Man ist zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Das kann Streetphotography in New York sein, ein Foto aus einem Krisengebiet, was zu einer Ikone wird oder eben ein Schnappschuss einer witzigen Situation oder der Gefühlsausdruck im Gesicht eines Menschen.

Es gibt also viele Wege sich inspirieren zu lassen oder selbst anderen als Inspiration zu dienen.

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

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5 Kommentare

Hallo Julia,

schön, dass du dir das Thema Inspiration in der Fotografie angenommen hast. Stimme Deinen Ausführungen voll und ganz zu.

Gruß

by Ronny (BlogTimes) on 29. Januar 2011 at 18:24. Antworten #

:)

Auch durch BlogTimes angeregt, hab ich mir auch ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht. Allerdings auf meinem Blog: http://weitwinkliger.blogspot.com/2011/02/inspiration-doch-woher-nehmen.html

by Michi on 9. Februar 2011 at 19:58. Antworten #

Hi Julia,

danke für Deinen Kommentar! Hab mich gefreut, dass Dir “save my nature” gefällt. Mehr noch aber freue ich mich darüber, dass eine junge Kollegin nicht nur gut schreibt (…das tut richtig in den Ohren gut) sondern auch noch fotografiert und beides in “grün”.

Zum Post will ich gern noch etwas ergänzen, nämlich die Leidenschaft und Freude, fürs Gestalten. Ob Text oder Foto, Design oder Architektur, Malerei oder anderes – wenn diese Sucht als Leichtigkeit in einem steckt, kann man gar nicht anders. Irgendwas ist andauernd im Kopf und will raus. Es schreit förmlich nach Auferstehung. Wichtig finde ich dabei, dass man sich zwar durchaus von anderen inspirieren lassen darf, aber niemals versuchen sollte etwas nachzumachen. (Ausnahme: zur Übung; wie hat der das gemacht?). Sondern sich selbst ständig auszuprobieren, Eigenes zu schaffen und es so zu tun, wie es einem größte Freude bringt. Die Freude der Leichtigkeit ist der wichtigste Faktor bei jedweder künstlerischer Arbeit. Ich stütze diese Behauptung auf fast vierzig Jahre Erfahrung, lächel, und sie funktioniert bis heute…

Herzlichst Det (= Mario van Middendorf)

by Det Mueller on 13. Februar 2011 at 11:30. Antworten #

Hi Det,

lieben Dank für Deinen netten Kommentar :-) .
Freue mich auch, dass vielen das Thema Inspiration am Herzen liegt. Natürlich hast Du recht, dass ohne leidenschaftlich bei der Sache zu sein, es nicht geht. Somit denke ich, dass die Kombination aus Inspiration und Leidenschaft wohl am besten funktioniert.

Liebe Grüße aus Bonn
Julia

by Julia on 13. Februar 2011 at 12:01. Antworten #

[...] habe ich mich ja schon mit der Frage der Inspiration beschäftigt, nun geht es um die konkrete Umsetzung. Wo und wie finde ich mein Motiv? Was möchte ich mit dem [...]

by Wege zum Foto – Reisefotografie | ecophoto on 20. Februar 2011 at 10:09. Antworten #

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