Kibuyu – eine ökologische Druckmanufaktur stellt sich vor

von Julia am 14. Juli 2011

Jana Mänz

Jana Mänz

Es ist immer schön, wenn man Leute findet, denen genau wie mir eine nachhaltige Arbeitsweise wichtig ist. Wenn sie sich dann auch noch für Fotografie begeistern können ist das ein Grund, sie in meinem Blog näher vorzustellen.

Heute stelle ich euch Jana Mänz vor. Sie ist begeisterte Bloggerin, Fotografin und macht sich mit ihrem Projekt Kibuyu, bei dem es um das nachhaltige Drucken von Postkarten geht, derzeit selbstständig. Im Folgenden gibt sie uns Einblicke in ihre Leidenschaft zur Fotografie und in ihr spannendes Projekt.

Welche Rolle spielt die Fotografie in Deinem Leben?

Die Fotografie spielt eine sehr wichtige Rolle. Angefangen hat alles 1996, auf einer Exkursion nach Südafrika, als ich im Nachhinein merkte, dass ich mit der Qualität meiner Fotos mit einer normalen analogen Kompaktkamera nicht mehr zufrieden war. Ich kaufte mir daraufhin meine erste Spiegelreflexkamera, eine Nikon F70 und trat einem Fotoclub bei. – Im Gegensatz zu meinen Kollegen fotografiere ich aber keine Hochzeiten oder mache Aufnahmen in Kindergärten. Stattdessen habe ich mich auf fotografische Langzeitstudien und Landschaftsbildbewertungen mit GPS fokussiert. Das korrespondiert hervorragend mit meiner Ausbildung als Diplom Geographin und ich liebe es in der Natur zu sein. Da draußen kann ich abschalten und nutze die Zeit um den Kopf frei zu bekommen.

Seit 2008 blogge ich unter janasworld.de und seitdem habe ich mich noch intensiver mit meinem Hobby beschäftigt. Ich habe mir eine neue Ausrüstung gekauft und mich mehr mit der Technik beschäftigt. Heute ist die Fotografie ein Standbein meiner Selbstständigkeit.

Fotografie und Nachhaltigkeit – wie passt das zusammen?

Das ist eine gute Frage bzw. ich würde sie eher umformulieren: Wann wird Fotografie nachhaltig sein? Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass die ganze Kette, von der Förderung der Rohstoffe, über die Herstellung der Fotomaterialien (sprich von der Kamera bis hin zum Papier bzw. der Veröffentlichung im Internet) transparent und nachhaltig ist. Momentan ist kein einziges Glied davon transparent und schon gar nicht nachhaltig. Was wissen wir über die Chemie, die zur Herstellung von Kamerabestandteilen benötigt wird, wie entstehen die Motive (reise ich mit dem Flugzeug an), veröffentliche ich die Bilder im Internet mit einem Provider der Ökostrom verwendet, besteht das Fotopapier aus Papieren, die aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen? – Wenn man sich mit diesen Fragen auseinandersetzt, entsteht ein hilfloses Gefühl. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Ich persönlich habe damit angefangen, mir einen Stromanbieter zu suchen, der Strom aus 100% Windkraft anbietet bzw. diesen selber herstellt. Ich versuche, Fotos auf Fotopapier richtig zu entsorgen bzw. lasse nur noch wenige Fotos ausbelichten.

In meinem Fotolabortest habe ich alle Hersteller befragt, was sie zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit tun. Erst durch stetiges nachfragen, kann man die Menschen zum umdenken anregen und letztendlich auch etwas bewirken. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen, aber ich bin zuversichtlich, dass sich in den nächsten Jahren viel verändern wird, wenn wir Konsumenten darauf drängen.

Was verbirgt sich hinter Kibuyu? Wie kam es zu der Idee und was möchtest Du mit Deinem Projekt erreichen?

Kibuyu.de ist mein Herzenskind, meine große Leidenschaft. Hinter Kibuyu.de versteckt sich eine Idee, die den Ursprung in meinem Blog gefunden hat, als ich meine Fotos als Postkarten drucken lassen wollte und etliche Online-Druckereien ausprobiert habe. Darüber habe ich zwei verschiedene Artikel unter dem Thema “Postkarten Online-Druckerei Vergleich” geschrieben, die bis heute großen Anklang finden. Noch viel wichtiger war, das ich immer wieder gefragt wurde „Jana, wo lässt du drucken, wo bekommt man kleine Auflagen“. Aufgrund dieser stetigen Nachfragen ist die Idee zu Kibuyu entstanden.

Mein Ziel ist es, in ein paar Jahren einen 100%igen ökologischen Digitaldruck anzubieten, bei dem nicht nur die Materialien ökologisch hergestellt wurden, sondern die ganze Produktionslinie transparent und nachhaltig ist. Am Ende soll ein hochqualitatives Produkt stehen, das ebenso 100%ig kompostierbar sein soll. Bis dahin müssen wir uns mit kleinen Erfolgen zufrieden geben, denn es ist noch nicht alles machbar.

Kibuyu.de steht für eine ökologische Druckmanufaktur, in der Kleinstauflagen im Digitaldruck gedruckt werden können. Wichtig ist der ökologische Ansatz. Seit Monaten beschäftige ich mich mit Papieren, mit Papierfabriken, mit der Zelluloseherstellung. Ich recherchiere nach Herstellern, die für Digitaldruckmaschinen Biotinten herstellen, wir testen Folien zum Kaschieren, die aus Maisstärke hergestellt werden. Momentan besteht mein ganzer Arbeitsalltag daraus, diese Fragen zu klären und mit Herstellern, Lieferanten zu sprechen und diese mit Experten aus Druckerei und Ökologie/Nachhaltigkeit zu diskutieren. Manchmal habe ich das Gefühl, wenn man einen Punkt aus einer Kette anfasst, dass sich zehn neue Fragen ergeben, die wider rum das Projekt zum scheitern bringen könnten.

Ist es leicht andere von der Wichtigkeit der Nachhaltigkeit zu überzeugen?

Anhand meines Projektes Kibuyu merke ich täglich, wie schwierig es ist, Menschen davon zu überzeugen, dass sie ökologisch und nachhaltig produzieren. Ein gutes Beispiel: erst letztens wurde mir von einem jungen Menschen meines Alters gesagt, dass Biotinte, die auf Basis nachwachsender Rohstoffe hergestellt wird, daran schuld sei, dass die Menschen in Afrika verhungern.

Du hast auch ein Gründerinnen-Frauen-Netzwerk ins Leben gerufen; wie kam es dazu? Wie wird dieses Angebot aufgenommen?

Das Netzwerk für Frauen, die sich selbstständig machen wollen oder es sind, ist entstanden, weil ich in derselben beruflichen Situation bin und Austausch suche. Am Anfang wurde das Angebot sehr gut angenommen, ist jetzt aber wieder eingeschlafen. So ein Forum lebt ja nur, wenn sich alle Beteiligten auch regelmäßig einbringen bzw. neue Leute dazu kommen. Beides hat bisher leider nicht funktioniert. Mal sehen, ob es sich im Herbst noch einmal belebt und der Stillstand der Sommerpause geschuldet ist. Wenn nicht, habe ich zumindest gelernt, wie man ein Forum administriert.

Ich danke Jana für die Einblicke in ihr Projekt und bin gespannt wie es weitergeht.

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

Ähnliche Beiträge:

  1. Nachhaltiges Webdesign – ein Interview Gerold Höchsmann kommt ursprünglich aus dem Hotelfach und entschied sich...
  2. Umweltbewusstes Drucken und verpacken Umweltbewusstes Drucken und verpacken von Fotos: Ist das möglich? –...
  3. Visitenkarten natürlich ökologisch Wenn ihr auf der Suche nach professionellen Fotovisitenkarten seit, die...
  4. Hochzeiten in Grün- Ein Interview mit Ulrike Binias von der Green Wedding Company Heute stelle ich euch Ulrike Binias und ihre Green Wedding...
  5. Umweltschonende Fotografie Da ich mich in meinem Blog mit Fotografie und Nachhaltigkeit...

Hinterlasse deinen Kommentar

Benötigt.

Benötigt. Wird nicht veröfentlicht.

Wenn du eine hast.

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.