Hochzeiten in Grün- Ein Interview mit Ulrike Binias von der Green Wedding Company

von Julia am 22. Oktober 2011

Heute stelle ich euch Ulrike Binias und ihre Green Wedding Company vor. Sie war so nett, mir sehr ausführlich über ökologische Hochzeiten Rede und Antwort zu stehen.

Wie kam es zu der Idee für die Green Wedding Company?

Ich würde es als “Fukushima Effekt” bezeichnen, der zu Beginn diesen Jahres passierte. Gerade als es passierte, befand ich mich in Berlin auf einer Weiterbildung zu Case und Care Managerin. Zu diesem Zeitpunkt zweifelte ich bereits, ob die Weiterbildung das Richtige für mich ist. Die Geschehnisse in Japan haben irgendwie eine tiefere Sinnkrise in mir ausgelöst. Ich fand, dass Case Management nicht wirklich etwas mit Umwelt und Gesundheit zu tun hatte und wollte neue Wege beschreiten, wusste aber noch nicht wie…
Einen Monat später, auf dem Weg nach Berlin, hatte ich einen längeren Aufenthalt in Osnabrück und stöberte in Zeitschriften. Dabei fiel mir ein Gründer Magazin in die Hände. Darin waren zwei Berichte über Franchise für Hochzeitsplaner. Franchise käme niemals für mich infrage, die Idee “Hochzeitsplaner” fand ich aber bereits 1996, kurz nach meiner eigenen Hochzeit, spannend.
Auf jeden Fall schoss mir in dem Augenblick, als ich die Gründerzeitschrift in den Händen hielt, sofort der Gedanke: Ökologische Hochzeitsplanung durch den Kopf!
Mein Mann und ich haben dann angefangen im Internet nach “ökologischen” Planern in Deutschland zu suchen. Gefunden haben wir, sowohl als konventionelle Planer als auch als “grüne” Agentur hochzeitskonzept – greenweddings. Andere Planer bieten „Green Weddings“ als Randsegment mit an. Ich denke aber, dass dies der Idee nicht gerecht wird. Für mich ist eine ökologische Hochzeit genauso wenig eine Trendidee, wie der Ausstieg aus der Atomkraft. Das war sozusagen die Geburtsstunde der Green Wedding Company.

Was verbirgt sich hinter diesem Konzept?

Unter den Suchbegriffen “Green Wedding” sind wir relativ schnell in Amerika (!) und England fündig geworden. Die ersten ökologischen Hochzeitsplaner treten um 2000 (Amerika, England, Neuseeland, Italien) im Internet auf.

Daran habe ich mich zunächst orientiert. Viele Ideen fand ich spannend und inspirierend. Bei einigen “grünen” Ideen habe ich festgestellt, dass Sie schon in Deutschland vertreten sind und Eingang in den konventionellen Bereich genommen haben. Zum Beispiel das Versenden der Einladung auf elektronischem Weg, Tragen von Second Hand Brautmode, Verwendung von Recyclingpapieren und Einsparung von Wasser. Andere Ideen, die in den Staaten als “die” Lösung angeboten werden, sind in Europa eher verpönt. Ich denke da beispielsweise an den Tipp, für die Hochzeit ein Biodieselauto zu verwenden. Diese Idee wird bei uns aufgrund der ozonbelastenden Produktion eher abgelehnt. Dies war ein Hinweis darauf, noch einmal “tief” in unsere kulturelle Verwurzelung zu schauen. Tatsächlich gibt es viele „ökologische“ Bräuche, die lohnen wieder belebt zu werden.

Da ich mich schon seit meiner Kindheit für Geschichte, andere Kulturen und gesellschaftliche Rituale interessiert habe, habe ich begonnen, die Errungenschaften von heute mit dem “Wissen unserer Vorfahren” zu verknüpfen.
Herausgekommen ist das 5R Konzept (recycle, reduse, reuse, respect und rethink) in Verbindung mit ökologischen, saisonalen und regionalen Aspekten.

Wo bietest Du Deinen Service an?

Persönlich habe ich mir einen Radius von 50 km um Großenkneten, Niedersachsen, abgesteckt um regional zu bleiben. Viele Servicedetails wären aber auch telefonisch oder per Internet in anderen Städten abklärbar, da ich mittlerweile genau weiß, wonach ich suchen muss. Beim Kauf von neuer, ökologischer Brautmode ist dieser Punkt fast unumgänglich. Die nächsten ökologischen Designerinnen sind in Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Köln und Berlin zu finden.

Wie arbeitest Du ökologisch?

Ein Großteil unserer Philosophie ist von Haus aus ökologisch (Einkauf im Bioladen im Ort, Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern im eigenen Garten, Nutzung von Regenwasser, Kleidung von Hess Natur oder Maas). Das ergibt sich meines Erachtens, wenn man Kinder hat. Bevor ich etwas neu einkaufe, überlegen ich mir gut, ob wir es auch tatsächlich benötigen, wie viel Energie es verbraucht und wo genau, unter welchen Bedingungen es hergestellt wurde. Alte Sachen werden nicht einfach in den Müll geworfen sondern repariert, verschenkt oder weiter verkauft.
Im Büro der „Green Wedding Company“ werden Rechnungen, Briefe usw. nach Möglichkeit per E-Mail versendet. Für unsere Geschäftskorrespondenz nutzen wir hochwertiges Recyclingpapier und Briefumschläge aus recyceltem Original-Papier aus den überholten Beständen der Landkarten-Verlage.
Wir verwenden überwiegend ökologische Büromittel (Stifte aus Recyclingpapier, Nachfüllmaterialien, Solartaschenrechner usw.) und nutzen einen Bürodrucker von Brother (LC980). Wir verwenden Akkus anstelle von Batterien. Unser Webhoster ist 1und1. Wir trinken im Büro Tee (www.teekampagne.de) und Kaffee aus ökologischem, Fair Trade Anbau. Unser Privat- sowie Geschäftskonto befinden sich bei der Ethikbank. Strom beziehen wir von Naturwatt, ab November 2011 von Naturstrom.
Von jedem geplanten Gesamtkonzept fließt ein Teil unserer Gewinne in den Kauf von Obstbäumen (www.boomgardenshop.de) die die von uns betreuten Ehepaare im Herbst auf eine Obststreuwiese einpflanzen können, ansonsten übernehmen wir es.

Wie stellst Du sicher, dass Du nur mit ökologischen Partnern arbeitest?

Einige Partner kenne ich bereits seit Jahren durch persönlichen Kontakt (Restaurants, Biohotels, Biohöfe…) und weiß, wie und womit sie arbeiten.
Für die andere Kontakte stand für mich am Anfang die Frage, verlasse ich mich nur auf ökologische Siegel oder wie definieren ich für mich, wer bereits ökologisch ist, ohne es zu wissen (und es nicht bewusst nach außen präsentiert) und wen zähle ich persönlich zu den Greenwashern. (z.B. Unternehmen, die „Ökologie, Nachhaltigkeit und Umweltschutz“ als Gewissensberuhigung nutzen und nur einen Teil (oder eines!) ihrer Produkte oder Dienstleistungen als ökologisch ausweisen).

Es müssen mehrere Faktoren erfüllt sein, die ich im Vorfeld per Fragebogen ermittele. Grob zusammengefasst: Woher kommen die Lebensmittel, Blumen, Zutaten, Edelsteine, Metalle die für die Hochzeit verwendet werden? Was passiert mit Resten/dem Müll? Woher beziehen Sie Ihren Strom? Wie sparen Sie Wasser? Welche Reinigungsmittel verwenden sie? Wie und womit verpacken Sie?…
Ökologisch agierende Menschen, denen diese Aspekte genauso wichtig sind wie mir, beantworten diese Fragen ganz transparent oder zeigen mir entsprechende (Bio-) Zertifikate. So stelle ich sicher, dass ich meine Partner guten Gewissens weitervermitteln kann.

Kannst Du ein kleines Beispiel für eine nachhaltig geplante Hochzeit geben?

Die Location für die Feier liegt nach Möglichkeit so, dass die Gäste kurze Anfahrtswege haben. Das Paar und deren Gäste kommen zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit der Bahn oder dem Bus. Es gibt ein veganes /vegetarisches Menü oder ein Fisch Menü. Freunde oder engagierte Musiker spielen in der Kirche auf klassischen Musikinstrumenten. Für die Feierlichkeiten sind eine Acapellasängerin und/oder ein DJ gebucht.

Die Blumendekorationen kommen aus „Mamas Garten“. Diese werden in bereits vorhandenen Vasen (Vintage / Second Hand) verteilt, die nach der Hochzeit zu Haus wieder/weiterverwendet werden können. Die Einladungen werden größtenteils per Mail versendet, die „älteren“ Gäste bekommen persönliche Einladungen auf edlem Recyclingpapier (von Hand geschrieben) per Post.

Das Brautkleid stammt von Oma (aus den guten, robusten Stoffen) und wird von einer Schneiderin vor Ort „modernisiert“. Oder eigens für die Braut aus ökologischen Materialien angefertigt und ist idealerweise nach der Hochzeit noch mehrmals tragbar. Der Anzug des Bräutigams wird im Second Hand Laden oder beim Naturversender gekauft. Die Ringe werden von einer ökologischen Goldschmiedin aus Altgold (Recyclinggold) angefertigt. Bilder werden von einer Fotografin digital fotografiert. Nach der Hochzeit werden nur die Fotos auf ökologischem Fotopapier gedrückt, die das Brautpaar benötigt. Das BIO- Flitterwochenhotel ist idealerweise mit dem Fahrrad, dem Bus oder der Bahn zu erreichen.

Sind grüne Hochzeiten teurer als andere?

Die Frage ist, ob wir Äpfel mit Birnen vergleichen können. Eine ökologische Hochzeit kann genauso preiswert oder teuer sein, wie eine „konventionelle“ Hochzeit. Es kommt darauf an, was das Brautpaar wünscht.
Erster Tipp zum Vermeiden von Kostenfallen: Umgehe das Wort „Hochzeit“ bei allem, was du neu kaufen musst, auch im ökologischen Sektor.
Kurzfristig gesehen sind „ökologische Hochzeiten“ nicht zwangsläufig teurer. Ich versuche dies einmal für die großen Kostenverursacher einer Hochzeit aufzuzeigen:
Menüpreise sind abhängig von der Location. Während in Biorestaurants häufig von Haus aus saisonal und regional einkauft wird, kann ein Hochzeitsmenü einer renommierten Hotelkette die Menükosten um einiges übersteigen, da dort diverse Exoten auf der Karte stehen, die nicht ökologisch sind.
Ökologische Fleischmenüs sind definitiv teurer. Meines Erachtens aber vollkommen gerechtfertigt, wenn ich an die unterschiedlichen Formen der Tierhaltung, des Tierfutters und der Medikamentengabe denke.

Brautkleider, die einen großen Kostenfaktor verursachen können, lassen sich nicht unbedingt vergleichen. Im ökologischen Bereich werden Polyesterkleider aus China für 799,- € und mehr nicht auffindbar sein. Dafür kann ein speziell für die Braut angefertigtes Brautkleid aus GOTS Stoffen, dass in Deutschland von einer Designerin entwickelt wurde, für unter 1000,- € zu kaufen sein. Im Second Hand Bereich wird es wesentlich preiswerter.

Im ökologischen Sektor wird in vielen Bereichen heute bereits um die Ecke gedacht: Ressourcenschonend, umwelterhaltend, energiesparend, nachhaltig.
Gefühlt würde ich behaupten, dass eine ökologische Hochzeit langfristig gesehen preiswerter ist, da wir die Kosten, die wir heute durch umweltfreundlichen Konsum in der Zukunft verursachen, noch nicht berechnen können.

Wie wird das Angebot von den Kunden angenommen?

Dazu kann ich leider noch keine Antwort geben, da ich offiziell erst seit Anfang August 2011 als ökologische Hochzeitsplanerin tätig bin. Geplant ist, dass ich 2012 die ersten Paare bei deren ökologischen Hochzeit unterstützen werde.
Momentan bin ich sehr mit der Markterschließung, der Netzwerkauswertung und der Suche nach neuen ökologischen Netzwerkkontakten beschäftigt. Aber fast alle Menschen, mit denen ich über ökologische Hochzeitsplanung spreche, reagieren begeistert auf die Ideen und stellen viele Fragen dazu. Laut Geschenke.de ist die „Green Wedding“ die Nummer Eins der Hochzeitstrends 2011.
Ich denke, ökologisch Heiraten ist kein Trend sondern eine kulturelle Revolution  Insofern bin ich zuversichtlich, dass das Angebot gut angenommen wird.

Ich wünsche Ulrike Alles Gute für Ihre Green Wedding Company und danke ihr für das Interview!

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

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