Fotografen – Blicke auf die Welt – Mitch Epstein

von Julia am 22. August 2011

Da es viele Fotografen gibt, die ich inspirierend und interessant finde, rufe ich eine neue Kategorie ins Leben: “Fotografen – Blicke auf die Welt”. Hier sollen Pioniere der Fotografie vorgestellt werden, wie auch Newcomer. Menschen, die die Fotografie weitergebracht und massgeblich beeinflusst haben. Die neue Einblicke auf Altbekanntes werfen und andere inspirierten. Über diese Künstler werde ich regelmäßig berichten.

Heute: Mitch Epstein – dessen Ausstellung “State of the Union” ich Anfang diesen Jahres im Bonner Kunstmuseum bestaunen konnte.

Mitch Epstein Ausstellung im Bonner Kunstmuseum

Mitch Epstein Ausstellung im Bonner Kunstmuseum

Der 1952 geborene Epstein zählt zu den bedeutendsten amerikanischen Fotografen der Gegenwart. In den 1970er Jahren studierte er an verschiedenen Akademien in den USA und war unter anderem Schüler von Garry Winogrand, einem bekannten Streetart Fotografen. Bei ihm lernte er die Farbfotografie kennen und nutzte sie fortan, als einer der ersten, für künstlerische Zwecke. Zu dieser Zeit fand sie vorrangig Verwendung in der Werbung.

Nach seinen Studien zog es ihn erstmal ins Ausland. Er bereiste Indien, wo er neben der Fotografie auch als Produzent, Set Designer und Kameramann tätig war. – Von 1992-1995 bereiste er Vietnam und es entstand ein fotografisches Bild eines Landes zwischen Tradition und Moderne, ein Land geprägt vom Kolonialismus und dem Vietnam Krieg.

Nach seinen Reisen widmete sich Epstein verstärkt seiner Heimat, den USA. In diesem Zusammenhang entstand seine amerikanische Trilogie: von 1995-1999 der erste Teil: “The City” in der Epstein eine gekonnte Mischung zwischen privaten und öffentlichen Momentaufnahmen der Stadt New York gelingt. – Zwischen 2000 und 2003 entsteht “Family Business”: ein Film und ein fotografisches Projekt, bei dem er in seine Heimatstadt Holyoke in Massachusetts zurückkehrte und seinen Vater und die Auflösung von dessen Möbelladen künstlerisch dokumentierte. Ein 12 jähriger Junge war in den Laden seines Vaters eingebrochen und hatte Feuer gelegt. Epstein zeigt in “Family Business” den Abstieg eines einst erfolgreichen Geschäftsmannes – seines Vaters.

Mitch Epstein und seine kritische Serie "American Power"

Mitch Epstein und seine kritische Serie "American Power"

“American Power” bildet den dritten Teil seiner Trilogie und entstand zwischen 2004 und 2009. Diese Fotoserie und das dahinterstehende Projekt interessiert mich besonders und hat mich auch in Epsteins Ausstellung “State of Union” im Bonner Kunstmuseum gelockt. Ich war sehr beeindruckt von den großformatigen Farbfotografien, die sich mit der Energieindustrie und ihrem Eingreifen in die Natur, das Leben der Menschen und die Politik beschäftigen. Der Fotograf dokumentierte dafür Energieerzeugungsstätten in 25 Staaten der USA und wirft dabei die Frage nach den Absichten von Politik und der Energieindustrie auf. Bei seiner Fotoreise durch die USA wurde er von Homeland Security des öfteren observiert, was zeigt, dass er einen Nerv getroffen zu haben scheint.

Aus der Fotoserie entstand in Zusammenarbeit mit seiner zweiten Frau Susan Bell ein öffentliches Kunstprojekt: “What is American Power?“, dass mit Werbetafel und einer eigenen Homepage auf sich aufmerksam macht und das “Energieverhalten” einer ganzen Nation hinterfragen will:

“This site asks everyone to look harder at their daily relationship to energy. We created it to heighten awarness of the toll that energy production and consumption take on our economy, security, health, and natural resources. When we understand the realities of American power, we can make wiser choices about energy through conservation and civic action. – We hope to instigate a discussion, online and off, about the direction of American power. It is an opportune, if not crucial, moment in the history of the United States to discuss what it has done and could do with its natural resources, wealth, and might, but also its brain power, power of imagination, and power of community.” – Susan Bell and Mitch Epstein

Ein tolles Projekt, das Zukunft hat und ein interessanter Fotograf, dessen Schaffen ich weiter verfolgen werde. Mehr Infos gibt es unter: http://whatisamericanpower.com/# – Der Bildband zu State of the Union ist beim Hatja Cantz Verlag erhältlich.

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

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