Typisch Paris oder andere Blickwinkel finden

von Julia am 2. Juni 2011

Und weiter geht es mit Fototipps rund um Paris.

Heute geht es um die Frage, wie man in einer Stadt, in der tausende Touristen ständig alle typischen Sehenswürdigkeiten fotografieren, noch neue Blickwinkel finden kann. Das ist gar nicht so einfach. Ich gebe im Folgenden ein paar Beispiele wie man Altbekanntes interessanter gestalten kann.

Sehenswürdigkeit in den Hintergrund stellen

Sehenswürdigkeit in den Hintergrund stellen

Le Moulin de la Galette ist eine von zwei erhaltenen Windmühlen in Montmartre und eine typische Sehenswürdigkeit. Rund um die Windmühle, die auch ein Restaurant beherbergt, scharen sich Touristengruppen. Hier ist die Kunst, die Windmühle optimal im Foto zu positionieren so dass sie gut zu erkennen ist, und möglichst keine Menschen in das Bild zu bekommen. Um einen anderen Blickwinkel zu finden habe ich mich nicht wie alle anderen frontal vor die Windmühle gestellt, sondern bin auf die andere Straßenseite gegangen und habe die Mühle schräg von der Seite fotografiert. Um das Bild interessanter zu gestalten und direkt eine Ortsmarke zu geben, habe ich das Straßenschild in das Foto eingefügt. Durch die Unschärfe des eigentlichen Objektes entsteht eine Spannung im Bild, die das typische Motiv interessanter erscheinen lässt und weniger plakativ ist.

auf Distanz gehen

auf Distanz gehen

Die Sacre Coeur in Montmartre ist wohl eines der beliebtesten Fotomotive in Paris neben dem Eiffelturm. Natürlich habe ich auch zahlreiche Fotografien von diesem imposanten Bauwerk gemacht, allerdings finde ich Aufnahmen, auf denen die Kirche direkt zu erkennen ist, eher langweilig. Daher entschied ich mich wie hier zu sehen für eine ungewöhnlichere Perspektive. Das Foto entstand auf dem Dach des Kaufhauses Printemps inmitten von Paris. Von dort hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt und ihre Wahrzeichen.

Im Vordergrund steht, wie schon bei dem vorigen Bild ein anderes Objekt, in diesem Fall eine Person, auf die zuerst der Fokus fällt. Beim zweiten Blick sieht man im Hintergrund unscharf die Silhouette der Sacre Coeur. Diese Andeutung reicht völlig aus, damit der Betrachter das Motiv direkt erkennen kann und liefert einen ganz anderen Blickwinkel und neuen Raum für Interpretationen.

Der Mensch als Betrachter

Der Mensch als Betrachter

"Metafoto"

"Metafoto"

Bei meinem Shooting am Triumphbogen kam mir eine Militärparade zugute. Der ganze Platz war abgesperrt und viele Menschen hatten sich versammelt um das Schauspiel zu betrachten. Dabei entstanden diese Fotografien.

Ich finde es spannend Menschen zu fotografieren, wie diese wiederum eine Sehenswürdigkeit bewundern oder fotografieren. Durch diese Perspektive steht nicht mehr nur das Monument im Mittelpunkt, sondern der Mensch als Betrachter. Diese Art der Betrachtungsweise finde ich sehr spannend.

Bild im Bild

Bild im Bild

Dieses Foto ist eines meiner Lieblingsbilder. Es entstand auf einer Brücke direkt hinter Notre Dame. Zu diesem Zeitpunkt stand eine Staffelei mit diesem Bild der Kirche im Vordergrund. Der Schärfepunkt liegt auf dem gemalten Bild im Vordergrund, wohingegen Notre Dame im Hintergrund leicht unscharf gezeichnet ist. Das Spiel mit dem Bild im Bild gefällt mir und bietet auch wieder eine neue Sichtweise fernab von Touristenströmen.

Spiegelungen nutzen

Spiegelungen nutzen

Da der Eiffelturm das wohl beliebteste Fotoobjekt in Paris ist, muss man sich wirklich etwas einfallen lassen um sich von der Masse abzuheben. Neben den zahlreichen Aufnahmen vom Eiffelturm aus den unterschiedlichsten Perspektiven, entstand in einer Seitenstraße dieses Foto. Hierbei habe ich eine Spiegelung des Wahrzeichens auf einer Autoscheibe genutzt. So habe ich das Objekt meiner Begierde fotografiert ohne in eine typische Abbildungsweise zu verfallen.

Nun noch abschließend die wichtigsten Tipps für neue Blickwinkel zusammengefasst:

  • Geht fotografieren, wenn noch keine Touristenmassen unterwegs sind (möglichst zwischen 7.30 und 9 Uhr). Ihr habt dadurch nicht nur gutes Licht, sondern auch freies “Schussfeld” für eure Fotos. Nach getaner Arbeit kann man sich dann gemütlich in ein Café setzen.
  • Nähert euch in kreisförmigen Bewegungen dem Fotoobjekt. Umrundet es, wenn möglich. Dadurch ergeben sich vielleicht schon interessante Blickwinkel. Die meisten machen sich nicht die Mühe andere Wege zu gehen.
  • Bezieht Gegenstände oder Menschen in euer Motiv mit ein, das macht das Ganze spannender. Spielt dabei mit der Schärfentiefe und lasst das Wahrzeichen auch mal in den Hintergrund rücken. Frontale und klare Aufnahmen gibt es zu genüge.
  • Geht mal ganz andere Wege und sucht nach Spiegelungen. Sei es in Scheiben oder Pfützen. Die Sehenswürdigkeit muss nicht immer an sich zu sehen sein. Ein Abbild, vielleicht sogar noch etwas verzerrt, wirkt viel interessanter.

Viel Spaß bei eurem nächsten Fototripp nach Paris oder anderswo!

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

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2 Kommentare

Sehr kreative Fotos, respekt!
ps. und meine Stimme bei Frauen-Blog-WM hast Du auch ;-)

by Naturalio on 8. Juni 2011 at 10:01. Antworten #

Schön, dass Dir meine Fotos gefallen. Finde es immer spannend neue Blickwinkel zu finden.
Vielen Dank auch für Deine Stimme!

Liebe Grüße aus Bonn
Julia

by Julia on 8. Juni 2011 at 10:23. Antworten #

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