Langzeitbelichtungen in England

von Julia am 7. November 2011

Heute wird es mal ein wenig technischer, aber hoffentlich nicht langweilig. Es geht um die fotografische Technik der Langzeitbelichtung anhand einiger Fotobeispiele aus meinem vergangenen Fotourlaub in England.

Langzeitbelichtung einer Flagge im Wind

Langzeitbelichtung einer Flagge im Wind

Langzeitbelichtungen werden zum einen benutzt, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen noch fotografieren zu können und aus gestalterischen Gründen. Dem zweiten Punkt möchte ich mich widmen.

Das Interessante bei Langzeitbelichtungen ist, dass man durch das Foto etwas schafft, was dem Auge nicht gelingt: eine Zeitspanne darzustellen. Dieses Stilelement wird wiederum wichtig, wann man beispielsweise Bewegungen einfangen möchte. Man könnte soweit gehen und sagen, dass bei Langzeitbelichtungen nicht das Motiv an sich entscheidend ist, sondern der Bildprozess. Ich finde das einen spannenden Ansatz. Besonders zum Einsatz kommt diese Art der Belichtung bei Bewegungen, ob Straßenverkehr, Radrennen, Licht, Gewässer oder Flaggen. Es gibt viele Möglichkeiten um sich an dieser Methode zu üben.

Um mit einem eher fröhlichen Bild zu starten, habe ich die Langzeitbelichtung des Union Jack gewählt. Dieses Foto entstand auf der Strandpromenade von Eastbourne am späteren Nachmittag. Da ich mal etwas anderes ausprobieren wollte, als “nur” das Meer langzeit zu belichten, wählte ich die Flagge. Dazu habe ich einen geeigneten Bildausschnitt gewählt, bei dem die Fahne im Mittelpunkt steht und nicht von zu viel unnützen Beiwerk umgeben ist. Darüber hinaus habe ich den Fahnenmast relativ weit links angesetzt, so das die Fahne genug Raum zum wehen hat.

Wichtig bei Langzeitbelichtungen: ein Stativ benutzen, denn wem gelingt es schon bis zu 30 Sekunden oder länger, seine Kamera still zu halten. Des weiteren müsst ihr tagsüber einen Graufilter verwenden, da bei einer Belichtung von vielen Sekunden bis Minuten die Blendenöffnung so lange geöffnet ist, dass es  ohne einen Graufilter  zu einer Überbelichtung kommen würde. Das wäre zwar streng genommen eine Langzeitbelichtung, aber das Bild wäre verdorben.

Ansonsten kann es dann los gehen mit dem Langzeitbelichtungskurs:

Langzeitbelichtung des Meeres

Langzeitbelichtung des Meeres

Mit dem Einfachen beginnen

Wenn ihr euch bis jetzt noch nicht an Langzeitbelichtungen gewagt habt, solltet ihr mit einem einfachen Motiv beginnen. Gewässer, vor allem das Meer, eignen sich dazu am Besten. Sucht euch zuerst einen passenden Standpunkt aus, von dem aus ihr fotografieren wollt. Als nächsten Schritt befestigt ihr eure Spiegelreflexkamera auf einem Stativ. Nun müsst ihr den gewünschten Bildausschnitt wählen. Wie beim oberen Beispiel könnt ihr ganz einfach beginnen und erstmal das Meer fotografieren und erreicht so eine Bewegungsunschärfe, welche die Gischt verschwimmen lässt. Wenn ihr mit dem Ergebnis zufrieden seid, könnt ihr einen Schritt weitergehen und das Meer und ein weiteres Objekt fotografieren. In meinem Fall Holzbalken. Ihr könnt aber auch auf einen Felsen, Netze etc. fokussieren. Was sich im Moment gerade bietet und euch spannend erscheint. Wenn ihr ein weiteres Objekt in die Langzeitbelichtung einbindet, macht es die Aufnahme direkt viel interessanter.

Langzeitbelichtung in schwarz-weiß

Langzeitbelichtung in schwarz-weiß

Die Belichtungszeit bestimmen

Nachdem ihr euren Ausschnitt gewählt habt und das Stativ einen festen Stand hat, müsst ihr Blende und Belichtungszeit auswählen. Die Belichtungszeit könnte etwa 30 Sekunden betragen, denn so seht ihr direkt einen starken Effekt. Die Blende möglichst klein halten, damit wenig Licht einfällt. Um das Ganze an einem Beispiel zu illustrieren: bei dem obigen Foto habe ich mein 50mm Objektiv verwendet, bei einer Belichtungszeit von 30 sec. und einer Blende von f20. Im Vergleich dazu habe ich bei dem unten stehenden Bild eine Belichtungszeit von 20 Sekunden gewählt bei einer Blende von f22. Beide Male verwende ich einen Graufilter, der nur 1/1000tel des Lichts hindurch lässt. Das heisst: gibt die Belichtungsmessung ohne Graufilter eine Belichtungszeit von 1/30tel Sekunde an, so muss durch den Filter etwa 30 Sekunden (0,033s * 1000) belichtet werden.

Endlich, die Langzeitbelichtung

Nachdem ihr den Ausschnitt gewählt habt, Blende und Belichtungszeit eingestellt sind, müsst ihr euer Motiv noch scharf stellen, die Kamera in den manuellen Modus (M) stellen, den Autofokus deaktivieren und anschließend den Graufilter auf das Objektiv montieren. Bei aktivem Autofokus könnte die Kamera beim Betätigen des Auslösers versuchen neu zu fokussieren, was aufgrund der geringen Lichtmenge die durch den Graufilter fällt kaum gelingt. Um die volle Kontrolle über den Bildaufbau zu behalten stellt also alles manuell ein. Nun solltet ihr nichts mehr verändern. Um ein Verwackeln beim Drücken des Auslösers zu vermeiden verwendet ihr am Besten einen Fernauslöser. Jetzt nur noch geduldig warten und fertig ist die Langzeitbelichtung. Dem Spiel mit der Unschärfe und dem Verwischen sind keine Grenzen gesetzt und so könnt ihr euch nun auch an andere Motive oder Bewegungsabläufe wagen.

Langzeitbelichtungen schaffen Mystik

Langzeitbelichtungen schaffen Mystik

Mögliche Fehler bei Langzeitaufnahmen

Nach dieser Anleitung möchte ich euch noch auf ein paar Fehlerquellen bei der Langzeitbelichtungstechnik hinweisen:

  • Ihr solltet das Okular bedecken um weiteren Lichteinfall “von hinten” zu vermeiden. Dieser verursacht unschöne Schleier im Bild.
  • Des weiteren solltet ihr ein stabiles Stativ mit sicherem Stand verwenden, damit es nicht zu Verwackelungen kommt wenn zum Beispiel das Stativ im Wind schwankt.
  • Bei Aufnahmen am Meer solltet ihr zwischendurch das Objektiv und den Filter säubern, da es zu Verunreinigungen durch Gischt und Spritzwasser kommen kann.
  • Darüber hinaus solltet ihr auf rasch wechselnde Lichtverhältnisse achten, beispielsweise durch vorbeiziehende Wolken und so die Belichtungszeit anpassen.
  • Ihr solltet auf jeden Fall Ersatzakkus mit im Gepäck haben, denn Langzeitaufnahmen verbrauchen viel Energie.

Dann wünsche ich euch viel Spaß beim Experimentieren mit Langzeitbelichtungen! Ihr könnt gerne in den Kommentaren auf eure eigenen Experimente und Ergebnisse hinweisen.

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

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4 Kommentare

Hi Julia, deine Bilder gefallen. Weiter so!

by Fotobuch-Profi on 9. November 2011 at 10:13. Antworten #

Danke! Freut mich, dass die Fotos gefallen.

Liebe Grüße aus Bonn
Julia

by Julia on 9. November 2011 at 12:43. Antworten #

Gab schon so manche Nacht (oder eher Urlaubsnachmittag), den ich mit der Belichtungszeit gekämpft habe. Danke für die Tipps!

by Maxim on 6. Februar 2012 at 12:14. Antworten #

Sehr gerne. Freut mich, wenn ich helfen konnte.

Liebe Grüße aus Bonn
Julia

by Julia on 6. Februar 2012 at 12:17. Antworten #

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