distrikt3 – Ein innovatives nachhaltiges Fotoatelier

von Julia am 27. März 2011

Bei meiner Fotografie ist mir eine nachhaltige Arbeitsweise besonders wichtig. Vor kurzem hatte ich noch keine gleichgesinnten Fotografen gefunden, bis mir Fotodesigner Jan Sommer schrieb. Es stellte sich heraus, dass er in Göttingen ein Fotoatelier distrikt3 betreibt und dabei genau wie ich auf eine nachhaltige und ökologische Arbeitsweise achtet. Das fand ich so spannend, dass ich ihn um ein Interview bat.

nachhaltige Fotografie bei distrikt3

nachhaltige Fotografie bei distrikt3

Hier nun ein paar exklusive Einblicke in die Arbeit und Arbeitsweise von Jan:

Wie bist Du zur Fotografie gekommen und wie lange fotografierst Du schon?

Meine Begeisterung für die Fotografie begann mit ungefähr 16 Jahren. War der Beginn noch eher sporadisch, fotografierte ich über die Jahre immer mehr. Mit Beginn meines Kommunikationsdesign-Studiums vertiefte sich dann mein Wissen und Interesse. Nach dem Studium entschied ich mich als freiberuflicher Fotodesigner zu arbeiten.

Was ist Dein Genre?

In meinem Atelier biete ich neben Portrait-, Fashion- und Glamourfotografie auch Dessous-, Teilakt und Aktfotografie an. Die Arbeit mit Menschen macht mir sehr viel Spaß und bietet viel Abwechslung. Ich mag das Leuchten in den Augen der Leute wenn Sie ihre Bilder das erste Mal sehen und fasziniert sind was aus ihnen werden kann und wie sie wirken können. Das ist jedes Mal faszinierend.

ökologische Studiofotografie

ökologische Studiofotografie

Fotografie und Nachhaltigkeit bzw. Umweltschutz, wie passen diese Dinge für Dich zusammen?

Das Thema Umweltschutz interessiert mich schon sehr lange. Ich finde es spannend Dinge zu kombinieren die nicht unbedingt zusammen passen, über die sich noch niemand Gedanken gemacht hat oder die auf den ersten Blick nicht unbedingt harmonieren. Heutzutage wird es immer wichtiger in möglichst vielen Bereichen des Lebens Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu integrieren. Viel zu lange hat die Menschheit das verpennt. Wenn jeder in seinem eigenen kleinen Einflussbereich Dinge positiv ändert, sind wir auf einem sehr guten Weg.

Wann und warum bist Du auf die Idee gekommen in Deinem Fotostudio umweltbewusst zu arbeiten?

Die Idee spuckte schon länger in meinem Kopf herum. Vor zwei Jahren las ich in Internetforen immer öfter das kleine Unternehmer ihre Unternehmen auf eine nachhaltige Arbeitsweise umstellten. Ich fand das eine sehr interessante Idee. Leider fand ich noch keine Fotografen die ähnliche Ideen schon umgesetzt hatten. So habe ich mich dann hingesetzt und selber überlegt und mit Freunden diskutiert wie eine nachhaltige und umweltschonende Arbeitsweise in einem Fotoatelier aussehen könnte. Als ich dann letztes Jahr mein Atelier in Göttingen eröffnete ergab sich die Gelegenheit meine Ideen in die Tat umzusetzen.

Umweltschutz wird immer wichtiger - auch in der Fotografie

Umweltschutz wird immer wichtiger - auch in der Fotografie

Wie sieht in Deinem Studio eine nachhaltige Arbeitsweise aus?

Ich habe den Luxus in einer großen Wohnung leben und arbeiten zu können. Ein großer Teil der Wohnung beherbergt das Atelier mit dem Büro. Dadurch spare ich Kosten und habe keinen Arbeitsweg. Das ist für das Privatleben manchmal nachteilig aber es spart Benzinkosten und sicherlich auch Zeit. Der erste Schritt war die Corporate Identity des Fotoateliers nachhaltig zu gestalten. Für die Visitenkarten und Geschäftsbriefe verwende ich Recyclingpapier. Das Studium als Grafiker kam mir bei der Entwicklung sehr zugute. Bei der Gestaltung war ich unabhängig und musste keine Agentur beauftragen. Das hat sicherlich Einiges an Papier, Benzin und Strom gespart. Einer der nächsten Schritte war damals der Wechsel zu einem Ökostromanbieter. Für mich war es wichtig die Energie für Studio und die Computer aus regenerativer Energie zu beziehen. Atomkraft halte ich für sehr gefährlich. Meine Befürchtungen haben sich gerade auf tragische Weise in Japan wieder bestätigt. Davon müssen wir dringend weg. Das ist keine zukunftsfähige Technologie.

Der nächste Punkt war die Auslieferung meiner Bilder. Zuerst war meine Idee, die Bilder als Datensätze auf einem Speichermedium auszuliefern. Davon bin ich in der Zwischenzeit aber weg, denn es wurde von den Kunden nicht so gut angenommen wie erwartet. Nun liefere ich Abzüge aus. Ich bin gerade dabei verschiedene nachhaltig arbeitende Fotoentwickler auszuprobieren. Für mich ist die Qualität der Fotos sehr wichtig, daher lege ich sehr hohe Maßstäbe an. Ich hoffe, dass ich bald eine geeignete Druckerei finde. Falls jemand schon positive Erfahrungen gemacht hat würde ich mich freuen darüber zu hören.

Auch bei der Wahl der Bank für ein Geschäftskonto habe ich auf Nachhaltigkeit und soziales Engagement geachtet. Ich habe mir von einigen „grünen“ Banken Unterlagen schicken lassen und verglichen. Über dieses Thema hatte ich mir vorher nie Gedanken gemacht und so war ich begeistert, dass es auch in diesem Sektor Institutionen gibt die vorbildlich arbeiten. Das spannende an solch einem Projekt ist, dass man immer wieder neue Ideen, Input und Ratschläge bekommt und man so seine Idee immer mehr verfeinert. Auch Kunden und Freunde tragen viel dazu bei das Distrikt 3 immer nachhaltiger und umweltschonender arbeitet. Da wäre zum Beispiel der Wechsel auf Bio-Putzmittel, Recyclingtoilettenpapier, Fairtrade-Kaffee etc.. Lauter kleine Dinge die sich wunderbar in das Gesamtkonzept eines nachhaltig und umweltschonend arbeitenden Fotoateliers einfügen.

Fotostudio und Umweltschutz: kein Widerspruch

Fotostudio und Umweltschutz: kein Widerspruch

Welche Erfahrungen hast Du bis jetzt mit Deiner neuen Arbeitsweise gemacht und wie nehmen die Kunden es auf?

Die Resonanz ist sehr positiv. Viele Kunden sind begeistert. Das Wichtigste ist zu zeigen, dass  Nachhaltigkeit NICHT gleichbedeutend ist mit geringerer Qualität der Fotos. Heutzutage ist es möglich qualitativ hochwertige Fotos zu produzieren und auszuliefern, die trotzdem umweltschonend hergestellt wurden. Das kommt immer mehr in den Köpfen der Leute an.

Göttingen ist ein hartes Pflaster für Fotografen, es gibt immer mehr von Ihnen und die Preise purzeln in den Keller. Ich möchte mit Distrikt 3 beweisen, dass man nachhaltig produzierte Fotos zu einem marktüblichen Preis herstellen kann. Ich hoffe, dass es in Zukunft immer mehr Kunden geben wird die auf die Arbeitsweise von Unternehmen achten und diese dann auch fördern. Meine persönlichen Erfahrungen sind sehr positiv. Ich habe mich in den letzten Monaten mit Dingen auseinandergesetzt über die ich früher nicht wirklich nachgedacht habe. Ich habe sehr viel gelernt und es kommt immer noch mehr dazu. Das ist faszinierend. Auch mein persönliches Konsumverhalten hat sich in dieser Zeit zum Positiven geändert. Ich achte sehr viel genauer auf manche Dinge und bin kritischer geworden.

Tipps für mehr Umweltbewusstsein in der Fotografie

Tipps für mehr Umweltbewusstsein in der Fotografie

Welche Tipps könntest Du Fotografen geben, die Deinem Beispiel folgen wollen?

Als ich die Idee umgesetzt habe, fand ich leider keine Fotografen, die ein ähnliches Konzept schon ausprobiert hatten oder vielmehr über ihre Erfahrungen im Internet berichteten. Ich habe mir dann Unternehmen aus anderen Branchen als Beispiel genommen und geschaut welche Dinge für ein Fotoatelier ebenfalls sinnvoll sein könnten. Wichtigster Tipp denke ich ist mit Spaß und Interesse an die Sache zu gehen und sich genau zu informieren. Auch in der Fotografie ist es möglich umweltschonend zu arbeiten und trotzdem tolle Fotos zu bekommen. Je mehr Fotografen mitmachen desto besser.

Ein paar kleine Gedankenanstöße:

  • Studioblitzanlagen / Studios mit Ökostrom betreiben
  • Geschäftsausstattungen (Visitenkarten, Briefpapier ) auf Recyclingpapier drucken lassen
  • Seine Bankgeschäfte (Berufsfotografen) soweit möglich, in die Hände nachhaltiger Banken legen
  • Bilder bei „grünen“ Druckereien bestellen.

Ich hoffe ich konnte euch ein paar Einblicke gewähren. Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung. Ich danke Julia für die Möglichkeit über meine Erfahrungen zu berichten.

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

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