“Verfallen, verlassen, vergessen” – Ein Interview mit Kathrin Broden

von Julia am 9. Februar 2012

Kathrin Broden habe ich beim showcase im Kult 41 kennengelernt und da ich ihre Fotoarbeiten sehr interessant finde, habe ich sie um ein Interview gebeten. Sie spielt in ihrer Fotografie mit dem Thema Vergänglichkeit auf unterschiedliche Arten. Einen kleinen Ausschnitt findet ihr in diesem Interview.

Mehr auf: brokatgrafik.wordpress.com

Forbidden Places 1
Forbidden Places 1

Seit wann fotografierst Du?

Seitdem ich 12 bin. Da habe ich meinen ersten Fotoapparat geschenkt bekommen.
Es waren zu der Zeit aber fast nur Urlaubsfotos oder andere Erlebnisse die man einfach als Erinnerung festhalten wollte. Erst mit der Digitalkamera habe ich begonnen mich verstärkt für die Fotografie zu interessieren.

Bist Du Autodidaktin oder hast Du Fotografie gelernt/studiert? Und arbeitest Du hauptberuflich als Fotografin?

Ich habe während meines Grafikdesign-Studiums auch das Fach Fotografie studiert. Hierbei arbeiteten wir aber noch analog und lernten auch das Entwickeln. Mit der Digitalfotografie habe ich dann später selber begonnen.

Nein, ich arbeite hauptberuflich nicht als Fotografin, aber als Grafikdesigner hat man es ständig mit Fotografie zu tun, allerdings meist nur mit der Bearbeitung des Bildmaterials.

Wo liegt Dein fotografischer Schwerpunkt?

Mein Schwerpunkt ist das Thema “Verfallen, verlassen, vergessen”.
Es gibt so viele und vielfältige Orte dieser Art. Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue diese Orte zu entdecken und sie festzuhalten bevor sie komplett verfallen oder abgerissen werden.

Fototafeln

Fototafeln

Was fasziniert Dich an der Fotografie?

Besondere Orte, eine bestimmte Atmosphäre, ein tolles Licht, einen besonderen Moment für immer festhalten zu können und damit unvergesslich zu machen. Das man irgendwann anfängt auf ganz andere Dinge zu achten und Sachen wahrnimmt die einem vorher nie aufgefallen wären.

Denkst Du, dass Fotografie auch umweltverträglich betrieben werden kann?

Ich denke schon, aber ich muss zugeben das ich mich mit dem Thema Umweltverträglichkeit in Zusammenhang mit Fotografie noch nicht beschäftigt habe.

Was sind Deine aktuellsten Projekte?

Momentan versuche ich die letzten Eindrücke eines Dorfes bei Düren festzuhalten.
Ein Dorf, das spätestens 2013 dem Kohleabbau weichen muss. Inzwischen stehen fast alle Häuser leer und ganze Straßenabschnitte sind schon verschwunden. Häuser, die schon mehrere Jahre verlassen sind, zeigen deutliche Spuren des Verfalls oder sind komplett zugewuchert.
Außerdem wird eine ehemalige belgische Kaserne in meiner näheren Umgebung dieses Jahr abgerissen und ich hoffe dort vorher noch einige Bilder machen zu können.

Industrieruinen: Ganz schön eitel

Industrieruinen: Ganz schön eitel

Hast Du Vorbilder in der Fotografie?

Da gibt es mehrere für die ich mich begeistern kann, ich würde sie aber nicht direkt als Vorbilder bezeichnen. Bei Gursky mag ich die strenge Geometrie in vielen seiner Bilder. Mitch Epstein fasziniert mich und die Hochhausbilder von Michael Wolf und Peter Bialobrzeski. Bei Stefanie Schneider mag ich das Zufällige in ihrer Arbeit. Mit beschädigtem Filmmaterial erzielt sie eine Atmosphäre wie aus einem David Lynch Film. Dazu kommen noch einige Fotografen die sich auch mit dem Thema “Verlassen” beschäftigen:
Die Nachtaufnahmen von Troy Paiva sind hier besonders erwähnenswert.
Außerdem das Projekt der “100 abandoned houses of Detroit” von Kevin Baumann.
Jan Smith hat es sogar auf die verbotene Insel Gunkanjima (auch Hashima Island, japanische Insel) geschafft und hier beeindruckende Bilder gemacht.

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

2 Kommentare

Uiii, interessanter Beitrag über die Anziehungskraft von verlassenen Orten!!Irgendwie kommt man selten ohne die Erwähnung von David Lynch in diesem Zusammenhang aus!;)

by Lisa on 25. März 2013 at 16:58. Antworten #

Als jmd der in Berlin aufgewachsen und immer in solchen Ruinen herumgetollt ist, finde ich die Fotos von Frau Broden gleich doppelt so interessant. Lustig, was so auf den Überbleibseln wird.

by Donny on 5. November 2013 at 14:10. Antworten #

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