Fotofestival “The eye is a lonely hunter”

von Julia am 27. September 2011

Im Moment bin ich viel unterwegs, daher komme ich erst jetzt wieder dazu mein Blog zu bestücken. Diesmal ging es nach Heidelberg. Eine sehr schöne Stadt, was tausende an Touristen wohl ähnlich sehen. Wenn ich meine Fotos gesichtet habe, stelle ich euch vielleicht einen Ausschnitt vor. Aber heute geht es um das Fotofestival, das seit dem 10. September bis zum 6. November 2011 in den Städten Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg stattfindet.

Fotofestival "The eye is a lonely hunter"

Fotofestival "The eye is a lonely hunter"

Unter dem Titel “The eye is a lonely hunter – Images of humankind” werden bei dem 4. Fotofestival an sieben Ausstellungsstätten insgesamt 60 Positionen aus der zeitgenössischen Foto – und Videokunst gezeigt. Dabei soll ein Blick auf die Menschheit geworfen werden, der natürlich nicht vollständig, sondern nur selektiv sein kann. Das Festival nimmt, nach Aussage der Kuratoren Katerina Gregos und Solvej Helweg Ovesen, seinen Ausgangspunkt in einer “humanistischen Sichtweise innerhalb der Tradition der Dokumentarfotografie”. Das Festival bemüht sich um eine Mischung aus Dokumentation und Kunst. Alles unter dem Fokus eines sozialen Moments und visueller Ästhetik.

“Ziel des 4. Fotofestivals ist es, neue Wege der Vermittlung anthropologischen Wissens in der gegenwärtigen Fotografie aufzuzeigen und zugleich einen Überblick über die Conditio humana zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts zu bieten”, so die Kuratoren über das Festival. Darüber hinaus wird der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Fotografie nachgegangen.

Im Folgenden gebe ich euch ein paar Einblicke in eine der Ausstellungen, die ich im Heidelberger Kunstverein besucht habe: “Lebensläufe”. Diese Zusammenschau von 13 internationalen Künstlern zeigt, dass das Leben stets oszilliert, zwischen Leben und Tod. Gezeigt werden existentielle und biografische Momente des Menschen – Übergangsrituale wie etwa Hochzeiten und Begräbnisse. Dies kann anhand von Fotos aus dem Familienalbum, Stilllebenfotografie oder inszenierter Portraits geschehen.

Fiona Tan, 1966 in Indonesien geboren, präsentiert unter “Vox Populi Tokyo” (2007) ein riesiges Wandtableau bestehend aus lauter “Lebensbilder” japanischer Familien. Die vielen kleinen gerahmten Fotos sind Schnappschüsse für das Familienalbum und zeigen alltägliche Szenen und Besonderes: Japaner auf Reisen, Kinder in traditioneller Kleidung, die Kirschblüte, Familienfotos oder Selbstportraits.

Der in Berlin lebenden Künstler Köken Ergun schuf eine 3-Kanal-Videoinstallation “Wedding” (2007-2008) bestehend aus Material von 40 Hochzeiten in Berlin. Der Zuschauer wird mit einer Bilderflut aus Szenen der Hochzeitsfeiern oder Close Ups der Bräute, die sich für die Feierlichkeit schön machen, konfrontiert. Gezeigt wird darüber hinaus eine in Deutschland lebende Gemeinde, die ihre Identität neu inszeniert. Und wieder wird ein Übergangsritual zelebriert aus den Lebenskreisläufen.

Neben den “Lebensmomenten” widmete sich die Ausstellung auch der Vergänglichkeit: wie etwa Mac Adams, der verwelkte Blumen und Skelette als Stilleben inszeniert. Die französische Künstlerin Agnes Geoffray zeigt neben Entstehungsszenen (aufkeimende Blumen) auch den natürlichen Verfall anhand von verwelkenden Blumen, aber auch den von Menschenhand herbeigeführten Tod (Foto eines Mannes der in einem Maschendrahtzaun zu Tode gekommen ist). Sie schafft mit ihren Fotografien Raum für Imagination und zeigt einen Schwebezustand zwischen Schönheit und Zerbrechlichkeit – Sterblichkeit und Gewalttätigkeit.

Dies waren nur einige der vertretenen Positionen die Lebensläufe auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen interpretieren. Ein Besuch der Ausstellung im Heidelberger Kunstverein (Hauptstraße 97 – Di-So 11-18 Uhr) und des gesamten Festivals lohnt sich alle mal.

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

Ein Kommentar

[...] Bestandsaufnahme der Gegenwart. Originally posted here: Fotofestival: Blicke auf die MenschheitDer Anspruch ist hoch gesteckt. Ein "Portrait der Menschheit im Jahr 2011" will das große Fotofesti…rt. Originally posted here: Fotofestival: Blicke auf die [...]

by Fotofestival: Blicke auf die Menschheit | GreenSmile.at on 18. November 2011 at 14:13. Antworten #

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