“Photo for Life”

von Julia am 26. Juni 2011

Manchmal im Leben geschehen Dinge, mit denen man gar nicht gerechnet hat, die einen überraschen. So erging es mir letzte Woche.

Durch Zufall habe ich im Internet (beim fotografr.de) von dem Casting für “Photo for Life” von Arte erfahren. Anfangs war ich mir gar nicht sicher, ob ich mich bewerben sollte, denn Fernsehen ist eigentlich nicht mein Medium, sondern die Fotografie und die Schrift. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass ich, wenn ich es nicht versuche, es irgendwann bereuen würde. Also meldetet ich mich auf der betreffenden Facebook Seite an, lud ein Foto von mir hoch das mir auf Anhieb am besten gefiel und meinen derzeitigen künstlerischen Stil verdeutlicht. Anschließend habe ich noch schnell ein 40 sekündiges Bewerbungsvideo aufgenommen und alles abgeschickt.

Ganz ehrlich hatte ich nicht erwartet noch weiter von dem Wettbewerb, bei dem es um die Teilnahme an einer sechsköpfigen fotografischen Masterclass unter der Führung von dem bekannten Werbefotografen Oliviero Toscani ging, zu hören. Doch wie das Leben so spielt kommt es immer so, wie man es am wenigsten erwartet.

Nach wenigen Tagen erhielt ich von einer Arte Redakteurin eine Mail, ich wäre von über 600 Bewerbern unter den letzten 100 und möge mich am nächsten Tag für ein Telefoninterview zur Verfügung halten. Gesagt – getan. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was ich alles erzählen sollte, lief das Interview am nächsten Tag sehr gut und auch meine Fotos waren gut angekommen. – Nun ging es darum unter die letzten 30 Kandidaten zu kommen, die nach Strassburg fahren sollten um dort vor einer Jury aus Oliviero Toscani und BBC und Arte Produktionsteams vorzusprechen.

Eine tolle Chance. Erstmal dachte ich jedoch nicht mehr darüber nach und erledigte meinen alltäglichen Kram. Abends klingelte dann unverhofft, oder vielleicht doch ein wenig, mein Handy. Ich hatte überzeugt und sollte in ein paar Tagen nach Strassburg fahren. – Ich war echt überrascht und hatte damit gar nicht gerechnet, bei der großen Zahl an sehr guten Mitbewerbern. – Jetzt ging der Stress erst richtig los: Hotel, und Fahrt organisieren, Portfolio für diesen Zweck zusammenstellen, das Bewerbungsgespräch vorbereiten, weitere Fragen von Arte beantworten und und und. Das waren drei sehr stressige, aber auch sehr intensive Tage.

Nachdem alles geschafft war, ging es nach Strassburg. Langsam wurde ich echt nervös. Um nicht zu spät zum Casting am nächsten Tag zu kommen, reiste ich schon einen Tag früher an und schaute mir noch ein wenig die Stadt an, in der an diesem Abend zufällig ein großes Musikfest (Fête de la Musique) stattfand. – Am nächsten morgen stieg die Spannung. – Bei Arte angekommen, einem schönen und neuem Gebäude in der Nähe des Europäischen Parlamentes, bekam ich erstmal einen Besucherausweis verpasst und wurde in eine kleine Sitzecke geführt, wo ein paar andere Kandidaten auf das Casting warteten. – Geteiltes “Leid” ist halbes Leid und so tauschten wir uns gerne untereinander aus, so lange wir warten mussten. Nachdem ich erfuhr, dass die meisten Fotografiestudenten waren, war ich schon ein wenig überrascht. Ich bin zwar leidenschaftliche Kunstfotografin, so doch auch  studierte Germanistin, und freute mich umso mehr, als Autodidakt ausgewählt worden zu sein.

Um zwei Uhr sollte es für mich losgehen, ich war die erste am Nachmittag. Je näher der Termin rückte, desto aufgeregter wurde ich. Dann ging es schon los. Ich fuhr zwei Stockwerke höher und hatte keine Ahnung was mich erwarten würde. Sollte es ein riesiger Raum sein mit einem langen Tisch an dem die Jury saß und man vor ihr stehend sein künstlerisches Œuvre präsentieren sollte? Ich wusste nur, dass bereits das Casting aufgezeichnet werden sollte. Das macht die Aufregung nicht kleiner. Ich kenne zwar schon den Blick hinter die Kameras durch ein Praktikum beim WDR, doch vor der Kamera zu stehen ist eine andere Sache.

Doch ich hatte nicht viel Zeit zu überlegen: oben angekommen sah ich schon den relativ kleinen Raum in dem das Casting stattfand und in dem die Jury rund um einen Tisch saß. Sofort war eine Kamera auf mich gerichtet und ich betrat den Raum, der ziemlich überfüllt wirkte. – Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und natürlich Händedruck mit Toscani ging es auch schon los. – Es ging um meine Motivation, was ich alles fotografisch mache und natürlich um meine Fotos die ich mitgebracht hatte.

Die etwa 20 Minuten vergingen sehr schnell und waren echt spannend. Das positive, Toscani fand meinen Stil literarisch, was ich als Kompliment auffasse, und er war auch von einigen Fotos begeistert. Doch ich merkte recht schnell, dass die Chemie zwischen ihm und mir nicht so stimmte. Ich bin nun mal ein sehr vielseitiger Mensch. In meinem Leben gibt es die Fotografie und die Literaturwissenschaft. Beides ist mir sehr wichtig und ich würde mich weder gegen das eine noch das andere entscheiden. Für mich ist es die optimale Mischung – sie inspiriert mich, treibt mich an und macht mich glücklich – darauf kommt es im Leben doch an.

Ihm ging es wohl eher darum einen neuen “Fotostar” zu schaffen, vornehmlich Fotografiestudenten, wie ich vermute. Meine Vielseitigkeit und dass ich mich nicht nur der einen Sache zu verschreiben schien ihm Probleme zu bereiten. Darüber hinaus konnte er leider nicht viel mit meinem Konzept der nachhaltigen, umweltbewussten Fotografie anfangen, was mich nun einmal auch ausmacht.

So habe ich es auch leider nicht in die von Toscani selbst ausgewählte Masterclass geschafft. Das ist nicht schlimm, denn ich gehe meinen Weg und lasse mich nicht entmutigen. Ich höre mir Meinungen gerne an, mache mich aber nie abhängig von ihnen oder lasse gar Meinungen anderer über meine Zukunft oder meinen Wert entscheiden. – Es war einfach ein Abenteuer und ich bin froh dabei gewesen zu sein. Ich gönne wirklich jedem den Platz in der Masterclass, das waren tolle Mitbewerber mit interessanten Projekten. Es war einfach nicht mein “Photo for Life”, aber das wird noch kommen …

Mein Bewerbungsfoto

Mein Bewerbungsfoto

Geschrieben von Julia T. Scho.

Ich bin Kunstfotografin aus Leidenschaft. Nachhaltigkeit, Natürlichkeit und Kreativität sind meine Werkzeuge.

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5 Kommentare

Ich freue mich sehr für dich, dass du unter den ersten 100 K. gekommen bist. :) )
Viel Spass

by Alexander Sorescu on 11. Juli 2011 at 15:56. Antworten #

Vielen Dank Alexander!

Liebe Grüße aus Bonn
Julia

by Julia on 12. Juli 2011 at 09:16. Antworten #

[...] am 21. November 2011 Vor einiger Zeit habe ich von meinem Casting Erlebnis bei der Arte Sendung Photo for Life berichtet. Nun ist es endlich soweit und die Sendereihe wird [...]

by TV Tipp: Photo for Life auf Arte | ecophoto on 21. November 2011 at 12:59. Antworten #

Ich habe die ersten beiden Folgen gesehen.
Eigentlich ist es sehr spannend, als Fotograf vor neue Herausforderungen gestellt zu sein. Bei “Photo Life” habe ich den Eindruck, dass die gestellten Aufgaben so angelegt sind, dass die Teilnehmer scheitern müssen. Selbst wenn sie gute Bilder liefern, werden diese als “schon dagewesen” deklassiert.
Hasst Du die Sendungen gesehen? Würdest Du immer noch gerne dabei sein? Wie empfindest Du die Sendung aus der Sicht einer Fastteilnehmerin?

by Roger on 23. November 2011 at 13:30. Antworten #

Hi Roger,

vielen Dank für Deinen Kommentar!
Ich verfolge auch die Sendung, da ich natürlich neugierig bin was aus dem Projekt geworden ist.
Ich finde sie spannend, hätte allerdings erwartet, dass sie ein wenig in die Tiefe geht. Vieles scheint oberflächlich, was bei der kurzen Sendezeit wahrscheinlich nicht anders zu machen war. Es muss ja auch noch “massentauglich” sein.
Ich hätte es natürlich schon spannend gefunden bei der Sendung dabei zu sein, aber ich denke, dass für mich die Kommunikation mit Toscani schwierig geworden wäre, da ich einen ganz anderen Kunstansatz verfolge als er. Für ihn muss immer alles neu und provakant sein, was denke ich für die Teilnehmer auch schwierig sein wird. Ich denke die Aufgaben sind durchaus lösbar, nur wie das Ganze bewertet wird ist eine andere Sache. Ob die Sendung das “Rad der Fotografie” wirklich neu erfinden kann, bezweifele ich, aber vielleicht kann sie mehr Menschen für die Fotografie als Kunstform begeistern.

Liebe Grüße aus Bonn
Julia

by Julia on 23. November 2011 at 13:44. Antworten #

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